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13b Besonnen gestalten

Görres konstatierte das Naturgesetz, dass eine heftige Aktion eine starke Gegenkraft erzeuge. Er wollte daher - nach dem Zornesfeuer der Revolutions- und Empirezeit, aus dem konsequent die gewaltsame Vertreibung Napoleons resultierte – die Wiederbelebung der Gesellschaftsordnung in einem Prozess gestaltet wissen, der alle Kräfte behutsam austariere. Görres war der Ansicht, dass die Geschichte zeige, dass radikale Umbrüche das Verfallen in Größenwahn und die Abkehr von den Wurzeln der Humanität evozieren. Man müsse stattdessen das Wohlbefinden der Anderen einbeziehen und die Sorgen um die Erfüllung ihrer Bedürfnisse ernst nehmen. Dieser Anspruch war für Görres der Kern der christlichen Botschaft und die Prämisse eines funktionierenden Sozialverbandes. Obgleich sich die Völker Europas formal zum Christentum bekennen, seien in der Umsetzung Defizite zu beklagen. Nicht die Hektik, sondern die Besinnung lasse das Gute erkennen, so dass es verinnerlicht werden könne. Die Worte Christi seien das »Licht, das vom Himmel kommt« – ein geistiges Prinzip, das die Dunkelheit des Hauses erfüllen müsse, sei es der Einzelstaat oder der Kontinent Europa. Im beseelten Bau würden Ausgleich, Ehrlichkeit und Wertschätzung zu finden sein. Es herrsche ein Klima, das die freie Rede möglich mache und die wechselseitige Korrektur der Ansichten. So könnten Lösungen gefunden werden, die alle Hausbewohner zufrieden stellen. Die Bereitschaft zum Dialog beuge der Verhärtung vor, banne Machtmissbrauch und Tyrannei.