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11b Der Mord an Kotzebue

Der Schriftsteller August von Kotzebue (1761-1819) bezichtigte in seinem »Literarischen Wochenblatt» die Universitäten als Brutstätten des Liberalismus und der Revolution. Seine Betrachtung »Geschichte des deutschen Reichs« gehörte zu den verbrannten Schriften des Wartburgfestes. Am 23. März 1819 wurde Kotzebue von dem Studenten Karl Ludwig Sand erstochen. »Demagogenverfolgung« und Zensur waren die Reaktion der Regierenden (Karlsbader Beschlüsse). Laut Görres zeigte sich – neben der Eitelkeit, die kritikunfähig mache – die zweite Variante der geistfernen Herrschaft: die Angst, die das Schlechte potenziere. Das »jämmerliche Treiben«, das Spionieren und Verhaften war für Görres die Wiedergeburt der alten Willkür. Die Regierenden seien aufgefordert, die Jugend nicht argwöhnisch zu beäugen. Er klagte, dass jede Kraft als störend empfunden werde und jedes Talent als potenzielles Risiko. Der Einbezug und das Wechselspiel müsse möglich sein. Von daher sei eine Beruhigung der Gemüter von Nöten. Durch Anfeindung werde ein friedliches Nebeneinander nicht möglich, da beide Seiten für die Anwendung von Gewalt offen seien. Die Ermordung sei ein unchristlicher Akt gewesen, doch auch das Opfer habe fahrlässig gehandelt. Da »Ratgeber und Schriftsteller wie Kotzebue achtungswerte Menschen verleumden«, sei zu fragen, »welcher Geist in ihnen wirke, wenn sie das Alte loben und als Gott gewollte Ordnung preisen, obgleich sie ein System von Lüge und Betrug« zu decken suchen. Sie hätten das Wahre nicht im Blick, sondern wollten die Gunst des Herrschers erlangen. Sie seien vertieft »in die Anbetung der willkürlichen Macht« – der Quelle ihres Einkommens.