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10b Der Wiener Kongress

Nach der Niederlage Napoleons legte der Wiener Kongress (18.09.1814-9.06.1815) unter Leitung Metternichs die Grenzen Europas fest. Görres kritisierte, dass die Einteilung den dynastischen Interessen folge. Er forderte, dass natürliche Größen - die Völker - die Gestaltungsbasis bilden. Doch die deutschen Höfe hätten, »während die Völker für Freiheit und Unabhängigkeit schwärmten, keineswegs diesen Rausch geteilt«. Als Naopleon »den goldenen Reifen der teutschen Kaiserkrone« zerbrach und »die Stücke unter die Vasallen gab«, sei Unrecht geschehen, das noch immer Bestand habe. Der »Räuber« werde gescholten, doch das Geraubte bleibe Beute. Das Unrecht sei zur »Grundlage der künftigen Ordnung im Reiche gemacht«, das geteilt und vernichtet sei. Görres warf den deutschen Fürsten Gier und Eigensucht vor. Sie würden keine Modernisierung, noch ein hehres Ziel im Sinn haben. Die Rückkehr des Imperators aus der Verbannung habe hingegen deutlich werden lassen, dass es nicht um Machtinteressen, sondern um ein System gehen müsse, dass Frieden und Wohlstand dauerhaft zu sichern vermag. Eine Friedensordnung müsse entstehen, die verhindern könne, dass der Starke mächtiger werde, während der Schwache die Eigenständigkeit verliere. Die »Stabilität von innen« werde die Völker nicht gegeneinander wenden. Dies sei die wahre Lösung der europäischen Fragen und nicht die Neuauflage eines »macchiavellistischen Systems«. So habe das geschlagene Frankreich, eine Verfassung bekommen, die Spaltung behebe. Die Franzosen stünden folglich besser da als das Volk der Deutschen, das ohnmächtig und zerrissen sei.