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7a Selbstfindung

Görres’ Lehrberuf in der Naturwissenschaft ging einher mit einem Studium anderer Disziplinen, das sich durch Autodidaktik und große Betriebsamkeit auszeichnete. In seiner Freizeit rezipierte Görres die Geschichte des Mittelalters, Literatur und altdeutsche Poesie. Die Kraft des Gefühls, die Sprache, die Musik und die Kunst würden es möglich machen, das Wahre und das Gute in sich zu entdecken und handlungsfähig zu werden. Die Suche war für Görres metaphysisch. Der Mensch finde zu sich selbst und zur Gottheit, dessen Abbild er sei. Die Mythen waren für Görres Ausdruck dieser Suche: Schon die junge Menschheit habe die Geheimnisse des Göttlichen erblickt und am reinsten erhalten. Infolge dieser Überzeugung erforschte er die Sagen der asiatischen Welt und lernte Persisch und Sanskrit. 1806 begann Görres an der Universität Heidelberg philologische und philosophische Vorlesungen zu halten. In Heidelberg lernte er Clemens Brentano und Achim von Arnim kennen. Unter dem Einfluss der Romantiker sah er sich in seiner Auffassung bestätigt, dass die Besinnung auf das Geistige, ebenso wie die geteilte Überzeugung, Gemeinsinn schaffe. In dieser Epoche ist eine Entwicklung festzustellen, an der auch Görres teilnahm: Ein Teil der Bildungsgesellschaft, hatte sich der Romantik zugewandt und nutzte die Poesie der deutschen Sprache, um sich von der Fremdherrschaft abzugrenzen. Das Bildungsbürgertum verneinte inzwischen den »französisch-rationalen Geist«, der zunehmend kalt und militaristisch wirkte.