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3b Der Gesellschaftsvertrag

Durch das Christentum wurde der Gedanke einer Partnerschaft zwischen Herrscher und Volk akzentuiert – die Beziehung wurde analog zum Bund zwischen Gott und Volk gesehen. Der Vertrag wurde als ein Instrument verstanden, das Bündnispartner miteinander verbinden soll. Da ein christlicher Herrscher von Gott erwählt, gütig und gerecht sein müsse, wurde auf das gerechte und gnadenvolle Handeln vertraut. Im Spätmittelalter nahm die Bedeutung des fixierten Rechtes zu, so dass einklagbare Rechte formuliert wurden. Die Schwächung des Feudalsystems, das blühende Städtewesen, der Handel und die Finanzwirtschaft hatten das soziale Gefüge nachhaltig verändert. In der Folgezeit geriet der Vertragsgedanke in den Fokus der Betrachtung: In hypothetischer Überlegung wurde ein rechtsfreier Raum konstatiert, der auf eine ferne Vergangenheit datiert wur- de. Aus dem Naturzustand (»bellum omnium contra omnes«) habe das Bedürfnis resultiert feste Regeln aufzustellen. Der Gesellschaftsvertrag sollte das gemeinsames Interesse zur Geltung bringen und Handlungsgrundlagen schaffen. Rousseau geht im Gegensatz zu anderen Denkern davon aus, dass die Menschen im Naturzustand unabhängig und friedlich lebten. Durch die Bildung von Eigentum sei der Mensch nicht länger autark geblieben, sondern einer Rolle verfallen. Er sei Knecht oder Herr und in gleicher Weise abhängig geworden. In diesen Funktionen sei die objektive Entscheidung zweifelhaft. Um den Konflikt zu überwinden, habe jeder Einzelne das Bedürfnis, sich einer Ordnung zu unterwerfen. Nur der Staat sei befugt, Gesetze zu verabschieden, die dem Willen des Volksganzen entsprechen müssen.